Hans Widmer – Das Modell des konsequenten Humanismus

Vieles in der gegenwärtigen akademischen Philosophie konzentriert sich auf begriffliche Detailfragen oder besondere Probleme einzelner Theorien in der praktischen Philosophie. Populärphilosophie dagegen mangelt es häufig an kognitiver Tiefe und viele kritische Philosophen verlieren sich in einem kruden Poststrukturalismus. Doch während die 68er noch große Kämpfe um Philosophie und die gesamte Gesellschaft ausgefochten haben, verliert sich heute vieles in einem Atomismus. Man könnte meinen, dass jene, die sich sowohl umfassend als auch mit gedanklicher Schärfe mit der kantischen Frage danach, was der Mensch sei, befassen wollen, heutzutage und in Zukunft leer ausgehen müssen. Doch gerade jetzt ist ein Buch erschienen, das uns zeigt, dass diese einfache Induktion ein Trugschluss ist und dass Philosophie immer noch bedeuten kann, rational von einer besseren Welt zu träumen. Besagtes Buch folgt Einsteins Überzeugung, dass der Mensch mit Hilfe der Vernunft die Möglichkeit bekommt, das Leben zu meistern und zeigt auf, was konsequenter Humanismus bedeutet.

 

Wir können unser Leben im Ganzen lebenswert gestalten

 

“Die Aufklärung ist nicht tot”, so könnte man die Kernthese von Hans Widmers „Modell des konsequenten Humanismus“  reformulieren. Ja, selbst nach Kant hat die Welt schreckliche Zeiten durchmachen müssen, die die Grausamkeit des Mittelalters vielleicht sogar in ihrer Brutalität übertroffen haben. Daraus leitet sich aber nicht ab, dass  alles verloren ist oder die Aufklärung notwendig für immer gescheitert ist. Vielmehr beginnt der Mensch gerade erst, seine Vernunft zu entfalten und gewinnt damit die Möglichkeit, sein bestes Werkzeug gewinnbringend in einem gemeinschaftlichen Humanismus auszuschöpfen. Die Vernunft ist der Weg zum Glück, der sich erfolgsversprechend erwiesen hat. In seinem neuen Buch legt Widmer, der über Nuclear Engineering promoviert hat und als Unternehmer erfolgreich war, dies in seinem umfassenden Modell dar. Dabei spannt er einen Kreis von Kants Anschauungsformen, über Einstein bishin zu mündigen Bürger in einer Demokratie, die rational an der gemeinsamen Aufgabe arbeiten, glücklich zu werden und räumt mit alten Dichotomien auf. Er stellt Zusammenhänge von Freiheit und psychologisch betrachtbaren Gesetzmäßigkeiten und konditionalen Beziehungen, Liberalismus und Staat in einer Fülle dar, die wenig mit der Oberflächlichkeit gemein hat, die man in einigen Medien bei der Behandlung dieser Themen vorfindet. Willensfreiheit ist kein Epiphänomen, obwohl es aus Gesetzmäßigkeiten hervorgeht. Die Amerikaner wollten auf den Mond und sind auf dem Mond gelandet, weil sie es wollten. Analog dazu werden wir wir gemeinsam das gelingende Leben verwirklichen können, eben wenn und weil wir es wollen. Die Aufklärung ist nicht tot und es macht Sinn, konsequent humanistisch zu sein.

 

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