Populärphilosophie – Prechts Sendung startet am Sonntag

Am zweiten September startet die ZDF-Sendung des Populärphilosophen Richard David Precht. Um 23:30 Uhr wird die erste Folge seiner fragenorientierten Sendung ausgestrahlt. Das Thema lautet ”Skandal Schule – Macht lernen dumm?”. Als Gast ist der Neurobiologe Gerald Hüther eingeladen.  Precht, der Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte studierte, über Musil in Literaturwissenschaft promovierte und sich selbst als Philosophen betrachtet, hat mit “Wer bin ich und wenn ja, wie viele?” und “Liebe – Ein unordentliches Gefühl” zwei philosophisch angereicherte Bestseller veröffentlicht und einen Lehrauftrag an der Leuphana Universität Lüneburg. Sein populär ausgerichteter und medienwirksamer Fokus polarisiert. Während es aus den Feuilletons Kritik hagelt, sind andere von Prechts frischen, fremdwortarmen Sprache begeistert.

In den Medien ist er kaum noch wegzudenken. Er nahm an mehreren Talkrunden teil und nun hat er eine eigene TV-Sendung im ZDF: Richard David Precht. Precht ist kein Philosophenphilosoph wie die meisten akademischen Philosophen, sondern sucht den Kontakt zur Öffentlichkeit. Er debattiert über wirtschaftliche, politische und philosophische Themen sowie Neurowissenschaft. Seine Gedanken äußert er meist ohne Verweise auf historische Philosophen oder Fachvokabular. So wird er von den meisten verstanden und entwickelte sich zu einer Art Hype. Auch junge Menschen scheinen sich von Prechts Herangehensweise an die Philosophie beeindrucken zu lassen. In den Feuilletons wird er mitunter kritisiert und es wird ihm unterstellt, dass er unsauber arbeite, unsauber lese und unsauber zitiere. Die Zeitung “Tablua Rasa” urteilt ‘gar mit der kreativen Überschrift: “Populärphilosophie – Ein unordentliches Geschäft?” und schreibt, dass die akademische Elite auf Precht herablächeln würde. In der Süddeutschen Zeitung wird Prechts Buch “Liebe – ein unordentliches Gefühl als “kognitive Mehrfachkarambolage” und “pseudowissenschaftliche Blamage” bezeichnet. Dem Populärphilosophen wird “Inkompetenz” und “großspurige Besserwisserei” vorgeworfen. Begründet wird das mit Prechts wissenschaftsfernen Wortgebrauch von “Emotion” und einem Verweis auf Ad-hominem-Argumente in Prechts Buch, die häufig schon auf den ersten Blick keinen Sinn machen würden, so werde beispielsweise suggeriert, dass ein Professor für Psychologie kein seriöser Hirnforscher sein könne.

Ich möchte in diese Kritik nicht gänzlich miteinstimmen, auch wenn ich vieles von Precht kritikwürdig finde, wie beispielsweise seinen biologistischen Reduktionismus, den nicht einmal ein Hardcore-Biologe teilen würde, weil er schlicht und einfach einen klaren Kategorienfehler bedeutet, aber ich finde es gut, dass Precht die Philosophie in die Medien bringt. Er beweist große Medienkompetenz, wovon die Philosophie als Ganzes profitieren kann. In den Talk-Runden hört er genau zu und hat meist die besten Argumente. Im Fernsehen weiß er, was er sagt und ist rhetorisch überaus versiert. Er mag vielleicht keinen guten Referenten über Kants Transzendentale Ästhetik abgeben – das weiß ich nicht, dafür kenne ich ihn nicht genug, aber vermutlich wird ihn das Thema nicht groß interessieren -, aber er ist jemand, der die Masse mit philosophischen Gedanken erreicht. Es besteht zwar die Gefahr, dass so mancher einen falschen Eindruck von Philosophie bekommt, aber jener wird spätestens dann aufgelöst, wenn das neu gewonnene Philosophieinteresse zur ausgiebigen Beschäftigung mit Philosophie führt. Precht ist somit so etwas wie ein Aufhängepunkt, der auf Themen verweist, die er selbst nicht abschließend behandelt.  Man mag seine Methodik, die sehr lukrativ ist, als Sophismus betrachten, denn die Sophisten in der Antike wurden diskreditiert, weil ihnen nicht das Gute und Schöne wichtig war, sondern das Geld, das sie für ihren Unterricht bekamen. Man kann Precht aber auch polarisierend mit Sokrates vergleichen, der in den Straßen von Athen diskutierte, denn Precht erreicht das Volk. Das ist evident.

- Mathias Assmann

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