Skip to content →

Warum wir Google nicht fürchten müssen

Google ist einer der mächtigsten Konzerne der Welt und verfügt dabei inzwischen über viele vielversprechende Systeme und Teilbereiche wie Youtube, Android und den Browser Chrome. Am wichtigsten ist aber immer noch die namensgebende Suchmaschine selbst. Der Google-Marktanteil im Suchmaschinenbereich liegt über 90%. Die sogenannten organischen Suchergebnisse bilden dabei den Mehrwert für den Nutzer. Sie zeigen dem Anwender im Sinne komplizierter Algorithmen möglichst genau das, was er sucht: Relevante Internetquellen zu den Suchwörtern, die er eingegeben hat. Unzählige Anfragen gehen bei google ein. Unzählige werden in Sekundenschnelle kompetent beantwortet. Ursprünglich war hierfür der Pagerank-Algorithmus ausschlaggebend, der von Larry Page und Sergei Brin an der Stanford University entwickelt wurde und beide zu Milliardären machte. Er gewichtet den Wert einer Seite anhand von eingehenden Links, wobei eine Seite desto besser gewichtet wird, je mehr Links auf sie verweisen und je stärker die auf sie verlinkenden Seiten selbst verlinkt sind. Dieser spielt wahrscheinlich immer noch eine Rolle, wurde aber inzwischen ergänzt. Die genaue Such- und Gewichtungsmethode ist geheim und wird ständig weiterentwickelt, auch um Manipulation durch Unternehmen zu erschweren, die einen Vorteil davon haben, möglichst weit oben in der Ergebnisliste zu stehen. Früher entstanden ganze Linknetzwerke aus sinnlosen Webseiten, nur um den Pagerank von bestimmten Konzernseiten künstlich zu erhöhen. Heutzutage weiß google sich gegen sowas gut zu helfen.

Man mag sich fragen, wie Google an der Suchmaschine verdient, obwohl sie kostenlos ist. Das ist leicht zu beantworten. Neben den organischen Suchergebnissen gibt es zusätzlich kommerziell geschaltete Werbung (Google Adwords), die von den organischen Suchergebnissen optisch leicht abgetrennt und unterschieden ist und die passgenau zu Suchwortgruppen erstellt werden. Extrem viele Unternehmen bezahlen für diese Werbung Geld und generieren dadurch ihrerseits Besucher und Einkünfte. Außerdem bietet Google ein Werbe-Anzeigensystem (Adsense) für Webseiten, mit dem Werbung geschaltet wird, die ähnlich wie die Adwords-Suchergebnisse an die Nutzer angepasst ist. Durch diese passgenaue Werbung ist Google extrem effizient, was aber auch dazu führt, dass Google ein Interesse hat, diese Passgenauigkeit zu verbessern. Suchergebnisse werden seit einiger Zeit personalisiert. Im Allgemeinen möchte Google die Werbung in Adwords-Ergebnissen und Google-Adsense-Werbung möglichst so schalten, dass sie genau die Zielgruppe erreicht, für die sie konzipiert ist. Dafür ist die Analyse des Nutzerverhaltens wichtig, was angesichts der Tatsache, dass Google nicht nur über eine Suchmaschine, sondern auch über Browser und extrem viele Kooperationspartner verfügt, immer besser möglich wird. Dass Google ein Interesse an dieser Passgenauigkeit hat, wird auch anhand von Aussagen mancher Google-Magnaten deutlich. So hat Google-CEO Eric Schmidt im Interview mit dem Wall Street Journal behauptet “Ich glaube, dass die meisten Menschen eigentlich nicht wollen, dass Google ihnen ihre Fragen beantwortet. Sie wollen, dass Google ihnen sagt, was sie als nächstes tun sollen.”

Datenschützer sind deswegen in hohem Maße alarmiert. Der gläserne Mensch ist eine bekannte Horrorvision. Kürzlich hat sich auch Axel-Springer-Chef Döpfner in der FAZ unter dem Titel “Warum wir Google fürchten” über Googles Monopolstellung und Macht geäußert und hat die Horrorvisionen des gläsernen Menschen und der Abhängigkeit der Welt von Google sehr ausführlich skizziert. Ich denke, es ist wichtig, dazu folgendes zu sagen: Datenschutz ist vor allem ein rechtliches Problem. Wenn sich die Bürger für sinnvolle Politik einsetzen und damit auch für sinnvollen Datenschutz, dann sind Google hier Grenzen gesetzt. Und zur Monopolstellung: Google kann niemanden ausnutzen, der es nicht zulässt. So wir von Google abhängig sind, ist Google von uns abhängig. Google hat die Monopolstellung, weil Google sehr gute Suchergebnisse liefert. Das nützt zunächst allen, die mit Googlen suchen. Wenn Google hier im großen Stil manipulieren würde, dann würden Google sich den Ast absägen, auf dem das Unternehmen sitzt. Im Zweifelsfall und wenn der Markt nicht schnell genug wäre, könnte auch hier die Politik eingreifen und neutrale Suchmaschinen entwickeln lassen. Auch wenn Google ein Monopol hat, ist das Unternehmen von den Nutzern abhängig. Was Datenschutz anbelangt, können wir uns politisch für die nötigen Gesetze einsetzen, die wir uns wie immer genau überlegen sollten. Die automatische Analyse der eigenen gmail-Emails ist sicherlich überaus grenzwertig, andere Aspekte wie ein Google+-Button, der Daten an Google sendet, wenn jemand bei Google+ eingeloggt ist, sind dagegen harmlos.

Published in Wirtschaft